Geriatrisches Assessment
GEMS-Diamant
Die Versorgung geriatrischer Patient:innen erfordert im präklinischen Setting ein hohes Maß an Differenzierung und Struktur. Mit dem GEMS-Diamant und dem GEMS-Algorithmus stehen dem Rettungsdienst zwei praxisnahe Werkzeuge zur Verfügung, um diesen Anforderungen gerecht zu werden – insbesondere bei unspezifischen oder atypischen Symptomen, die bei älteren Menschen häufig auftreten.
Der GEMS-Diamant ist ein strukturierter Beurteilungsansatz, der auf vier zentralen Dimensionen basiert:
Ziele des GEMS-Diamanten:
- Förderung einer ganzheitlichen Betrachtung statt reiner Symptombehandlung
- Früherkennung von Risiken wie Delir, Stürzen oder Gewalt im häuslichen Umfeld
- Verbesserung der Kommunikation, auch unter erschwerten Bedingungen (z. B. Demenz, Hörverlust)
- Unterstützung bei der qualitativen Übergabe an weiterbehandelnde Stellen (z. B. Krankenhaus, …)
Der GEMS-Diamant ersetzt dabei nicht die medizinische Notfallversorgung, sondern ergänzt sie durch ein geriatrisch-spezifisches Blickfeld.
Version
| Kürzel | Datum | Info |
|---|---|---|
| raphaela.duenser | 07/2026 | Ursprungsversion |
Keine Gewährleistung für ausgedruckte Versionen - aktuell ist nur die Online-Version.
GEMS-Algorithmus
Ergänzend zum Diamanten bietet der GEMS-Algorithmus eine schrittweise Anleitung zur Einschätzung geriatrischer Patient:innen in der präklinischen Akutsituation. Er ist darauf ausgelegt, unter Zeitdruck wichtige Informationen schnell zu erkennen, einzuordnen und Handlungen zielgerichtet einzuleiten.
Wichtig: Der GEMS-Algorithmus ersetzt nicht die standardisierte Patient:innenanamnese nach dem ABCDE-Schema gemäß der Lehrmeinung des Österreichischen Roten Kreuzes. Vielmehr ist er als ergänzendes Werkzeug zu verstehen – besonders in Fällen, in denen der geriatrische Kontext das klinische Bild beeinflusst oder die Kommunikation erschwert ist.
Nutzen des GEMS-Algorithmus:
- Strukturierte Entscheidungsunterstützung im Notfall
- Förderung der Teamkommunikation im Einsatz
- Erhöhung der diagnostischen Aufmerksamkeit für geriatrische Leitsymptome (z. B. Sturz ohne klar erkennbare Ursache)
- Unterstützung bei der Einschätzung von Hospitalisierungsnotwendigkeit und Transportziel
Beide Werkzeuge – GEMS-Diamant und GEMS-Algorithmus – tragen dazu bei, dass geriatrische Patient:innen nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich besser betreut werden. Sie sensibilisieren für das Wesentliche: nicht nur das „Was fehlt“, sondern auch das „Was braucht dieser Mensch jetzt?“
Version
| Kürzel | Datum | Info |
|---|---|---|
| raphaela.duenser | 07/2026 | Ursprungsversion |
Keine Gewährleistung für ausgedruckte Versionen - aktuell ist nur die Online-Version.
Geriatrisches Glossar
| GEMS |
Ein strukturierter Ansatz zur Beurteilung geriatrischer Patient:innen im Rettungsdienst:
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| SPLATT | Sturzabklärung im Alter | Hilfe bei der Ursachenanalyse nach einem Sturz: • Symptoms before fall • Previous falls • Location of fall • Activity at time of fall • Time of fall • Trauma after fall |
| VITAMINS C & D | Ursachencheck bei funktionellem Abbau Gedächtnisverlust, Schwäche, kognitive Veränderungen – mögliche Ursachen: • Vaskulär • Inflammation (Entzündung) • Toxine, Trauma, Tumor • Autoimmun • Metabolisch (z. B. Hypoglykämie) • Infektion • Narkotika (Medikamente, Substanzen) • Systemisch (z. B. Sepsis) • Congenital (angeboren) • Degenerativ (z. B. Alzheimer) |
| Dilirium | Erklärung akuter Verwirrtheit, Unruhe, Wahrnehmungsstörung: • Drogen/Toxine • Emotionale Belastung • Low pO₂ (Hypoxie) • Infektion • Retention (Harn- oder Stuhlverhalt) • Iktal (Anfallsgeschehen) • Unterernährung/Dehydration • Metabolisch (z. B. Elektrolytstörungen) • Subdurales Hämatom |
| Demenz |
Chronische, progrediente Erkrankung mit Verlust kognitiver Fähigkeiten. Typische Merkmale:
• Gedächtnisstörungen
• Orientierungsverlust
• Sprachprobleme
• Verhaltensveränderungen
→ Irreversibel (z. B. Alzheimer) oder reversibel (z. B. durch Medikamente, Mangelzustände)
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| Delir |
Akuter Verwirrtheitszustand mit raschem Beginn, häufig reversibel. Symptome: • Bewusstseinsstörungen |
| Geriatrische Depressionsskala |
Ein validiertes Screening-Instrument zur Erfassung depressiver Symptome bei älteren Menschen. 15 Ja/Nein-Fragen, spezifisch auf geriatrische Lebensrealitäten abgestimmt.
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| Frailty |
„Gebrechlichkeit“
Zustand erhöhter Anfälligkeit für Stressoren (z. B. Infekte, Stürze) mit hohem Risiko für Hospitalisierung, Pflegebedürftigkeit oder Tod. Kennzeichen: ungewollter Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Erschöpfung, verlangsamtes Gehen.
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| Multimorbidität |
Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen gleichzeitig – z. B. COPD + Diabetes + Herzinsuffizienz. Erhöht das Risiko für Komplikationen, Polypharmazie und funktionellen Abbau.
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| Polypharmazie |
Einnahme von fünf oder mehr Medikamenten gleichzeitig – häufig mit Risiken wie Wechselwirkungen, Nebenwirkungen oder Non-Adhärenz verbunden.
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| IADL / ADL |
ADL (Activities of Daily Living): Grundfunktionen des Alltags (Waschen, Ankleiden, Mobilität)
IADL (Instrumental Activities of Daily Living): komplexere Tätigkeiten (Haushalt, Einkäufe, Medikamente managen)
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| Advance Care Planning (ACP) |
„Patientenverfügung“
Gespräche zur vorausschauenden Versorgungsplanung – insbesondere bei geriatrischen Patient:innen mit eingeschränkter Prognose oder Entscheidungsfähigkeit. |
| Palliative Versorgung |
Symptomorientierte, lindernde Versorgung bei fortgeschrittenen Erkrankungen mit Fokus auf Lebensqualität – häufig relevant im geriatrischen Kontext.
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Version
| Kürzel | Datum | Info |
|---|---|---|
| raphaela.duenser | 07/2026 | Ursprungsversion |
Keine Gewährleistung für ausgedruckte Versionen - aktuell ist nur die Online-Version.